Konzept der Jahrgangsmischung

Seit dem Schuljahr 2006/07 werden die Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Klasse gemeinsam in 4 jahrgangsgemischten Eingangsstufenklassen unterrichtet.

Seit dem Schuljahr 2012/13 werden auch Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 und 4 gemeinsam in 4 jahrgangsgemischten Klassen unterrichtet.

Hier sind einige Gründe, weshalb die Kinder bei uns so unterrichtet werden:

  • In Ländern, die bei der Pisa-Studie sehr erfolgreich waren, findet kaum noch Unterricht in Jahrgangsklassen statt.

  • Seit 1997 gibt es in Baden-Württemberg Erprobungsschulen, die am Modell „Schulanfang auf neuen Wegen“ teilgenommen haben. Begleituntersuchungen zeigten, dass Jahrgangsmischung durchaus sinnvoll ist.
  • Dass Kinder eines Jahrgangs gleiche Lernvoraussetzungen haben (und somit  Jahrgangsklassen sinnvoll  wären),  ist eine Fiktion. Untersuchungen zeigen, dass zwar versucht wird durch Zurückstellung, vorzeitige Einschulung, Zuweisung an Förderschulen, Klasse überspringen, Klasse  wiederholen… die Entwicklungsunterschiede zu minimieren.
    Aber:

    • Leistungsunterschiede in einer Grundschulklasse liegen zwischen Förderschulbedürftigkeit und Hochbegabung
    • Altersunterschied in den jahrgangshomogenen Klassen beträgt oftmals 3 bis 4 Jahre

  • Der Bildungsplan 2004 geht bereits auf diese Situation der Heterogenität ein:

    • Bildungsplan gibt Kompetenzen und Inhalte, die zu erreichen sind, nur für Klasse 2 und 4 an.
    • Jedes Kind soll -seiner Begabung entsprechend- gefördert werden.

Jahrgangsgemischtes Lernen ist vor diesem Hintergrund sinnvoll und notwendig,
damit die Kinder eine zukunftssichere Bildung erhalten, und auch im internationalen Vergleich mithalten können. 

 Pädagogische Vorteile der Jahrgangsmischung

  • Leistungsunterschiede werden nicht zur persönlichen Bedrohung,  Unterschiede sind normal und werden nicht als Makel oder Versagen gedeutet.
  • Ausgrenzungen, Stigmatisierungen, Rollenverfestigungen lassen sich somit vermeiden. Jeder kann mal etwas besser oder noch nicht, jeder ist mal der Kleine und erlebt die Rolle des Großen.
  • Ältere Kinder haben Vorbildfunktion oder können in manchen Situationen helfen und werden dadurch im Selbstbewusstsein gestärkt.
  • Kinder können entsprechend ihrem eigenen Können und ihrer Leistung 1 Jahr, 2 Jahre oder 3 Jahre in der Eingangsstufe bleiben.
  • Differenzierte Förderung des einzelnen Kindes, seinem Können entsprechend, findet in jahrgangsgemischten Klassen, wesentlich mehr statt als in Jahrgangsklassen (Ergebnis aus den Untersuchungen zu „Schulanfang auf neuen Wegen“)
  • Kinder, die ohne Geschwister aufwachsen, erhalten mehr Lernerfahrungen im Umgang mit älteren bzw. jüngeren Kindern.
  • Stärkere Förderung des sozialen Lernens (gegenseitige Hilfe, Rücksichtnahme, Entwicklung von Toleranz)

So sieht Jahrgangsmischung in der Praxis an der Grundschule Hofen aus

  • Die Kinder der 1. Klasse haben 22 Unterrichtstunden, Kinder der 2. Klasse 24 Stunden. Kinder der 3. und 4. Klasse haben ebenfalls 24 Stunden.  
  • gemeinsamer Unterricht: Gesprächskreis, Vorlesezeit, Freiarbeit, Wochen- oder Tagesplan, MeNuK (Kunst, Musik, Sachthemen), Deutsch, Mathematik, Englisch, Sport, Projekte, Lerngänge …
  • Einzelne Stunden, in denen Kinder einer Jahrgangsstufe alleine unterrichtet werden, dienen vor allem zur Einführung eines Inhalts oder zur Festigung bzw. Vertiefung des bisher Gelernten.
  • Da Kinder unterschiedliche Voraussetzungen haben, unterschiedlich schnell und unterschiedlich intensiv lernen, wird in allen Klassen in Freiarbeit, mit Wochen- oder Tagesplänen individuell gearbeitet.
  • Im Fach Mensch-Natur-Kultur gibt es für jede Klasse einen 2-Jahresplan um zu vermeiden, dass ein Kind ein Thema 2mal, bzw. gar nicht macht.
  • Religion wird konfessionell-kooperativ unterrichtet, d.h. die Kinder bleiben im Klassenverband. Zum Schulhalbjahr wechselt dann die Religionslehrkraft, so dass die Kinder in einem Schuljahr sowohl eine evangelische, als auch eine katholische Lehrkraft haben.Auch hier gibt es für die Eingangsstufenklassen und die 3er/4er-Klassen einen Zweijahresplan.
  • Die Kinder arbeiten mit den unterschiedlichsten Materialien, Lehr- und Lernmitteln, Schülerbüchern, Lexika, Sachbüchern.  
  • Verbindlich sind – wie in allen Klassen - die Kompetenzen und Inhalte des Bildungsplans.